Workshop Gitarre stimmen

 Stimmgabel / Stimmgerät

Stimmen mit der Stimmgabel

Noch gerade bevor deine Gitarrenferien anfangen, möchte ich Dir beim Stimmen deiner Gitarre helfen. Für diesen ersten Workshop brauchst Du lediglich deine Gitarre und eine Stimmgabel (A=440Hz). Was . . .  ? Du hast noch keine Stimmgabel? Dann hole Dir bitte schnellstens eine im nächsten Musikgeschäft. Ein Gitarrist kann nicht darauf verzichten! Wie bitte . . . ? Es gibt doch Stimmgeräte heutzutage . . . ? Ja stimmt ! Aber wenn mal die Batterie leer ist und Du keine Neue auf Lager hast, oder wenn das Gerät mal wieder einen Wackelkontakt hat . . .

Also natürlich möchte ich nicht darüber streiten, was besser wäre. Betrachten wir beide Sachen einmal näher, dann stellen wir fest, dass beide Methoden Vor- und Nachteile haben.

Die Stimmgabel sieht aus wie eine Gabel mit zwei langen Gabelarmen (oder Zinken) und einem Fuß mit (verdicktem) Fußende. Sie ist aus Metall und daher äußerst kompakt, robust, tonfest, preiswert und verbraucht keinen Strom.

Die Stimmgabel wird zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand (bei Linkshändern mit der linken Hand) am Fuß gehalten und mit einem Gabelarm gegen einen festen Gegenstand (z.B. Innenseite des linken Handgelenkes, Knie, Tischrand usw.) geschlagen.

Dann erst kommt die Stimmgabel in Schwingung und gibt ihren Ton her. Halte sie dann nahe ans Ohr und lausche ihren Ton. Vielleicht musst Du dies ein paar mal probieren um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Also experimentiere und reüssiere! Du darfst nach dem Anschlag der Stimmgabel nicht die schwingenden Gabelarme berühren! Das würde die Schwingung stören und der Ton wäre weg. Vergleiche dies mit einer schwingenden Saite!

Nun . . . Es wurde Klang ! Die Gabel gibt einen sehr feinen, klaren und stabilen Ton. Dieser Ton ist der Ton “A” oder “La” mit 440 Hertz (Hz), d.h. 440 Schwingungen pro Sekunde. Versuche Dir einmal eine Schwingung vorzustellen: einmal aus der Mitte nach der einen Seite, dann wieder zurück und zur anderen Seite und wieder zurück zur Mitte. Und das 440 Mal in nur einer Sekunde !!! Man kann das Vibrieren zwar wahrnehmen aber niemals in der Geschwindigkeit verfolgen, dazu ist die Bildfrequenz des Auges zu niedrig. Wenn die Gabel richtig abgestimmt ist (und das ist sie) sind es genau 440 Schwingungen, keine mehr, keine weniger. Überprüfe mal auf dem Fuß deiner Stimmgabel, steht da “A 440” drauf? Also dann . . .!

In der Musikwelt nennen wir diesen Ton den Kammerton (fr. diapason) In 1701 entwickelte der Akustiker Joseph Sauveur eine Methode, die es ermöglichte, Schwingungen zu messen. Und der Lautenist John Shore erfand 1711 die Stimmgabel. Der heutige Kammerton A/La mit 440 Hz wurde erst 1953 in London während einer internationalen Konferenz festgelegt. Und seitdem gilt dieser Standard weltweit für fast alle Instrumente.

Experimentiere mit deiner Stimmgabel, schlage sie immer wieder an und stelle sie mit dem Fuß auf verschiedene Gegenstände: Tisch, Stuhl, Notenständer, oben auf deinen Kopf (dabei auch mal ein Ohr zuhalten), gegen oder zwischen deine Zähne (pass auf: das gefällt nicht jedem!), auf deine Gitarre (Decke, Steg usw......) Was fällt Dir dabei auf? Schreibe deine Erfahrungen an Cithara!

Nun schlage die Stimmgabel wieder an und halte sie an ein Ohr. Versuche den Ton den Du jetzt hörst mitzusingen. Ein paar mal probieren und es wird Dir immer besser gelingen, diesen Ton genau zu treffen. Deine Stimme braucht ein wenig Übung. Du wirst den gehörten Ton der Stimmgabel mit deinem gesungenen Ton vergleichen müssen, den Du jetzt auch wieder zurückhörst (kompliziert?). Der gesungene Ton muss auf der gleichen Tonhöhe sein wie der Stimmgabelton. Das ist der Trick. Unser Ohr ist äußerst genau im Vergleichen der Töne, und nach einiger Übung wird es Dir gelingen! Falls Du Schwierigkeiten beim Singen begegnest, versuche dann einige Stimmexperimente: singe einen tiefen Ton und lasse ihn gleichmäßig höher werden. Wenn dies gelingt, begegnest Du irgendwann diesem Stimmgabelton. Versuche nun diesen Ton zu finden und festzuhalten.

Wenn das Experiment klappt bist Du bereit um eine Saite nach dem gehörten Stimmgabelton zu stimmen. Dazu musst Du allerdings wissen wie die Saiten der Gitarre gestimmt werden sollen. Die erste Saite soll wie ein E/Mi klingen. Der Stimmgabelton A/La liegt dann im V. Bund dieser Saite.

Spiele diesen Ton und vergleiche ihn mit dem Ton der Stimmgabel. Klingt die Saite zu tief, richtig oder zu hoch? Wenn dein Ohr ein wenig geschult ist, wirst Du dies bestimmen können. Dann brauchst Du nur noch die betreffende Mechanik zu drehen um die Saite zu stimmen. Die Saite wird höher, wenn Du die Saite fester spannst (Mechanik in der einen Richtung drehen) und tiefer wenn Du die Saite lockerer spannst (Mechanik in der anderen Richtung drehen).

Dann gibt es folgende Methode um die Saiten aufeinander zu stimmen:

Saite 2 (H/Si) im V. Bund soll wie die leere 1. Saite klingen

Saite 3 (G/Sol) im IV. Bund soll wie die leere 2. Saite klingen

Saite 4 (D/Re) im V. Bund soll wie die leere 3. Saite klingen

Saite 5 (A/La) im V. Bund soll wie die leere 4. Saite klingen

Saite 6 (E/Mi) im V. Bund soll wie die leere 5. Saite klingen

Und jetzt zur Stimmübung. Lerne sie auswendig und spiele sie jeden Tag bevor Du deine Lektionen probst. So bist du sicher, dass deine Gitarre richtig gestimmt ist. Ist das nicht der Fall, so stimme deine Gitarre selber NACH GEHÖR. Du wirst allmählich dein Gehör schulen und immer besser in der Lage sein, dein Instrument zu stimmen.
  Textfeld:

Eine andere Möglichkeit wäre, auf jeder Saite den Ton A/La zu spielen und direkt mit der Stimmgabel zu vergleichen. Wo liegen diese Töne A/La auf den verschiedenen Saiten?

Zum Schluss gibt es noch eine interessante Variante, wobei Du die Stimmgabel auf eine Saite stellst. Du bringst die Stimmgabel zuerst zum Schwingen und stellst sie dann auf die erste Saite, da wo sich das A/La befindet. Dort wird die Saite mitschwingen und der Ton wird hörbar.


Bild 5

Du kannst die Stelle aufsuchen und SEHEN ob die Saite richtig gestimmt ist. Der Ton klingt nämlich am lautesten direkt über dem 5. Bundstab. Du kannst dies bei jeder Saite machen. Diese Methode ist eher visuell und Du kannst sie als Kontrolle nach dem STIMMEN NACH GEHÖR verwenden.

 

 Stimmgabel / Stimmgerät

Stimmen mit dem Stimmgerät

Früher, als ich mit der Gitarre angefangen habe, gab es noch die sogenannte Stimmpfeife. Sie konnte die sechs Töne der sechs Saiten (E/Mi, A/La, D/Re, g/sol, h/si, e’/mi’) hergeben und klang ungefähr so wie eine Mundharmonika. Obwohl ich nicht ausschließe, dass es sie noch gibt, denke ich, dass die Zeit der Stimmpfeife vorbei ist. Das hat als Grund, dass sie nicht so verlässlich ist wie die Stimmgabel. Man muss darin blasen, und dann nach Gehör die betreffende Saite stimmen. Der Klang ist sehr verschieden vom Saitenklang, was das Stimmen erschwert und sie kann nach einiger Zeit sogar falsch klingen! Also habe ich meine Stimmpfeife weggeschmissen und weiterhin die  Stimmgabel benutzt.

Mein erstes Stimmgerät war relativ groß, hatte einen großen Drehschalter mit welchem man die Tonhöhe einer der 6 Saiten auswählte, sowie einen Nadel-Anzeiger. Heute werden modernere Geräte mit Displays oder kleinen farbigen Leuchten angeboten. Da dieser Workshop aber nicht eine Übersicht der möglichen Ausführungen sein sollte, verlasse ich mich darauf, dass Du in deinem Musikgeschäft ein taugliches Gerät bekommst und mit dessen Gebrauchsanleitung zurecht kommst.

Es gibt grundsätzlich zwei Typen von Stimmgeräten. Das Erste ist wie das Obengenannte pro Saite manuell einstellbar und kontrolliert eigentlich nur, ob die betreffende Saite richtig gestimmt ist. Wenn die Saite viel abweicht, kommst Du mit diesem Stimmgerät nicht so gut zurecht. Deshalb empfehle ich ein Gerät, das die ganze chromatische Skala umfasst und bei jedem gespielten Ton automatisch angibt, welcher Ton es ist. Um mit diesem Gerät umzugehen, musst Du die chromatische Skala (oder Tonleiter) kennen:

c - c# - d – d# - e – f – f# - g – g# - a – a# - b,

dies entspricht:

do – do# - re – re#- mi – fa – fa# - sol – sol# - la – la# - si.

Bemerkungen:

  • Meistens wird das internationale Namensystem mit “b” anstelle das in dem deutschen Sprachraum übliche “h” verwendet.

  • Auch benutzen die meisten Apparate ausschließlich die aufsteigende Tonleiter mit “#”.

  • Sage Dir diese beiden Skalen auswendig auf und übe das “Übersetzen” von der Einen in die andere “Sprache”.

Zuerst musst Du das Stimmgerät einschalten und falls nötig die Stimmfrequenz bestimmen.

Normalerweise ist das Gerät auf A/La mit 440 Hz eingestellt. Bei den meisten Geräten kann man diesen Standardton ändern. Deswegen überprüfe die Stimmfrequenz (engl. calibration) oder stelle sie auf 440 Hz ein. Im Grunde genommen ist es nicht schlimm, eine andere Stimmung zu nehmen. Nur wenn Du mit anderen Musikern oder mit einer CD spielen möchtest, müsstest Du absprechen (c.q. bei der CD raushören) welche Frequenz genommen wird.

Nun halte das Stimmgerät so nah wie möglich an die Gitarre und spiele die einzelnen Leersaiten. Die Reihenfolge ist nicht so wichtig. Nehmen wir an, Du fängst mit der 1.  Saite an. Schlage die Saite an und schaue was das Gerät misst: welchen Ton zeigt es an? Ein “e” wäre richtig. Ist das “e” zu hoch, zu tief oder richtig? (Es gibt immer nur diese drei Möglichkeiten!). Ist die Saite zu hoch, dann musst Du die Saite entspannen, also die Mechanik in der einen Richtung drehen; ist die Saite zu tief, dann spanne die Saite durch Drehen in der anderen Richtung. Ist der Ton im Bereich des “d#”, dann ist die Saite ungefähr einen Halbton zu tief gestimmt. Ist der Ton im Bereich des “f”, dann ist die Saite ungefähr einen Halbton zu hoch. Stimme danach von der 2. bis zur 6. Saite. Frage Dich stets: welche sind die benachbarten Töne der jeweiligen Saiten?

Xperiment

Für dieses Xperiment solltest Du den folgenden Link anklicken, und das Blatt mit der Tabelle ausdrucken.

Griffbrett-Tabelle

Stimme die 4. Saite runter auf “c” (oder “do”, das ist ein Ganzton tiefer als üblich) und spiele auf der Saite alle Töne vom tiefen “c” bis zum hohen “c”, oder anders gesagt: spiele alle Töne von der leeren Saite bis zum XII. Bund. Überspringe keinen Bund. Schau auf das Stimmgerät und lass dir zeigen welche Töne Du so bekommst. Und . . . ? Ja, gut, es ist die obengenannte chromatische Tonleiter von do bis do (oder c bis c)!!!

Nun mache das mit jeder Saite (ausgehend von der üblichen Stimmung) und fülle die Tabelle aus. Zeig uns dein Ergebnis. Oder zeige es Deinem Lehrer!

Bemerkungen:

  • Es ist wichtig, dass Du immer nur einen Ton  spielst, da das Stimmgerät immer nur einen Ton verarbeiten kann. Dämpfe daher immer die vorher gespielten Töne ab, bevor Du eine nächste Saite stimmst.

  • Es gibt heute sogenannte Klemmmikrophone, die Du auf der Gitarre aufklemmen kannst (z.B. auf dem Gitarren-Kopf), und an das Gerät anschließen kannst. Das hat den Vorteil, dass Du ungestört stimmen kannst in einem Raum, wo andere Musiker spielen oder wo Lärm ist. Es gibt sogar kleine Stimmgeräte, die man (permanent) auf den Kopf der  Gitarre klemmen kann!

  • Bei einer Gitarre mit eingebautem Mikro (Pick-Up), oder eine E-Gitarre, kannst Du die Gitarre mit einem Kabel direkt an dem Stimmgerät anschließen, falls es einen Kabeleingang (Input) hat.

  • Das Stimmen muss öfters gemacht werden, abhängig von der Gitarre, ihren Saiten, Temperaturschwankungen oder Feuchtigkeitswechsel, Transportumstände usw... Ich rate Dir, täglich die Stimmung zu kontrollieren: immer bevor Du mit dem Üben anfängst. Mit der Zeit wirst Du erfahrener und immer besser im Stimmen.

  • Bei neuen Saiten dauert es meistens etwas länger, bis die Saiten die Stimmung halten.

Viel Erfolg und Spaß!

Leon Frijns