Über Andres Segovia

(1893 – 1987)

Andrés Segovia gehört zweifellos zu den bedeutendsten Gitarristen überhaupt. Dank seiner außer­ge­wöhnlichen spieltechnischen Fähigkeiten und seiner Entschlossenheit gelang es ihm weitverbreitete Vorurteile gegenüber der Gitarre zu beseitigen. Er leistete somit einen entscheiden­den Beitrag zu ihrer ´Emanzipation‘ gegenüber anderen Instrumenten. Es gibt heutzutage kaum klassische Gitarristen, welche nicht von Andrés Segovia beeinflußt worden wären.

Im Alter von fünf Jahren kam Andrés Segovia zu seinem Onkel nach Granada. Obwohl dieser ihn unbedingt zum Violinspiel ermutigen wollte, war der Neffe doch eher von der Musik eines Flamencogitarristen angezogen, welcher ebenfalls im Haus des Onkels wohnte. Mit 10 Jahren erhielt er seine erste Gitarre und verbrachte von diesem Moment an seine ganze Freizeit mit diesem Instrument. Nach dem Tod seines Onkels zog er im Alter von 12 Jahren mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Cordoba. Hier entschied er schon bald ein eigenes Zimmer zu mieten, um sich dem Studium der Gitarre gänzlich widmen zu können. Mit 16 gab er sein erstes öffentliches Konzert und verließ noch im selben Jahr die Schule, um sein Leben ins Zeichen der Gitarre zu setzen.

Durch seine Freundschaft zu dem Pianisten Rafael de Montis kam er nach Sevilla und lernte dort viele einflußreiche Persönlichkeiten kennen, welche von seinem außergewöhnlichen Können so beeindruckt waren, daß sie sich bereit zeigten seine weiteren Konzerte zu fördern. Bei Gelegenheit seiner Auftritte in anderen spanischen Städten merkte Segovia, wie groß der Widerstand gegenüber der klassischen Gitarre war, sowohl seitens anderer Musiker, aber auch der Musikkritiker. So wurde sein erstes Konzert in Madrid im Jahre 1912 trotz hervorragender Leistung zu einem Mißerfolg.

In der Folgezeit lernte er u.a. Miguel Llobet kennen, welcher wohl Tárrega‘s prominentester Schüler gewesen war. Beide Gitarristen wurden gute Freunde. Erst nach weiteren Etappen in Valencia und Barcelona kehrte er nach Madrid zurück. Mit Hilfe seines neuen Promoters Ernesto de Quesada unternahm er eine sehr erfolgreiche Konzerttour nach Südamerika. Im Jahre 1920 lud die Königin Viktoria von Spanien ihn in den Palast nach Madrid ein, ein Zeichen höchster Anerkennung für den Musiker.

In den Jahren 1920 bis 1935 spielte Segovia Konzerte in allen größeren europäischen Städten. 1928 spielte er zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten (New York). Bei all seinen Konzerten beein­druckte er das Publikum mit seinen spielerischen Fertigkeiten. In dieser Zeitspanne begann er, renommierte Komponisten zu ermutigen, auch Werke für die Gitarre zu schreiben. Dazu gehörten u.a. Manuel Ponce, Heitor Villa-Lobos, Mario Castelnuovo-Tedesco sowie Joaquín Rodrigo.

Nach Beginn des spanischen Bürgerkrieges im Jahre 1936 verließ Segovia seine spanische Heimat und lebte bis zum Ende des 2. Weltkrieges in New York und Montevideo (Uruguay).

Nach dem 2.Weltkrieg machte sich Segovia zum Initiator einer technischen Revolution im Bereich der klassischen Gitarre. Mit Hilfe seines Freundes Albert Augustine gelang es ihm nämlich den amerikanischen Chemie-Konzern Du Pont davon zu überzeugen, Saiten aus Nylon für die Gitarre zu entwickeln. Diese wurden 1947 zum erstenmal hergestellt. Das Ende der Darmsaite war damit besiegelt.

In der 50er und 60er Jahren setzte Segovia seine Karriere als Konzertgitarrist sehr erfolgreich fort. Er gab durchschnittlich 100 Konzerte pro Jahr. Außerdem entstanden 30 Schallplatten in dieser Zeitspanne. Jährlich fanden ‘Masterclasses’ mit Segovia in Siena (Italien) und in Santiago de Compostela (Spanien) statt, später auch in den USA und Japan. Viele Gitarristen, die bei Segovia studierten (z.Bsp. John Williams, Oscar Gighlia, uva.) wurden, gehören heute zu den bekanntesten Virtuosen. Unter Segovia’s Einfluß und dank seine Bemühungen entstanden an den meisten Hochschulen und Konservatorien dann auch Lehrstühle für Gitarre.

Segovia hat sich also zeitlebens kompromißlos für die Anerkennung der klassischen Gitarre eingesetzt. Mit großem Erfolg, betrachtet man die Tatsache, welche Popularität das Instrument heute erlangt hat. Segovia starb am 2ten Juni 1987 in Madrid.